Am vergangenen Dienstag war ich zu Gast im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen, um einen Vortrag im Rahmen der Schülerakademie zu halten – diese einwöchige Veranstaltung bietet Schüler/innen aus der Region Workshops zu verschiedenen Themen und Exkursionen an. Mein Besuch war für den Akademieabend vorgesehen und sollte das Thema “Web 2.0″ beleuchten – unten die Folien meines Vortrags.
Auch wenn An- und Abreise von Hamburg nach Lingen eher langwierig und anstrengend waren – die Strapazen haben sich gelohnt, denn die Diskussion im Anschluss an meinen Vortrag war sehr lebhaft und aufschlussreich. Das Publikum, etwa 100 Personen, setzte sich überwiegend aus Schüler/innen so zwischen 16 und 18 Jahren zusammen, dazu kamen einige Lehrer und Mitarbeiter/innen des Hauses. Es wurde recht schnell deutlich, dass dass irgendwo zwischen 16-18 Jahren und 35 Jahren eine Kluft verläuft, die es Älteren schwer macht, den Reiz und die Alltagsrelevanz von Netzwerkplattformen wie schülerVZ etc. nachzuvollziehen. Ein häufig geäußerter Satz der Älteren war: “Ich verstehe nicht, warum man sich auf solchen Seiten präsentieren sollte” – von Seiten der Jugendlichen kamen dagegen sehr viele interessante und reflektierte Äußerungen zur Privatsphäre, zum Verständnis von “Freundschaft” und zur Frage, wieviel andere Personen über einen wissen (sollten). Interessant war, dass Jugendliche wiederholt auch auf Medienberichte Bezug nahmen, in denen die Gefahren des vorgeblichen “Cyber-Exhibitionismus” thematisiert werden; man konnte förmlich spüren, wie sie versuchen, diese öffentlichen Diskurse mit ihren eigenen alltäglichen Erfahrungen in Einklang zu bringen (siehe dazu auch die Studie von Sonia Livingstone).
Der für mich bemerkenswerteste Satz kam gegen Ende, als ein Schüler (sinngemäß zitiert) anmerkte: “Wir Jugendlichen sind die erste Generation, die diese Plattformen ausprobiert – und erfahren wird, was es mit unserem Leben macht, positiv wie negativ.” In der Tat finden hier gerade eine Art Experiment statt, von dem nicht ganz klar ist, welche gesellschaftlichen Veränderungen sich in zwei oder fünf oder zehn Jahren ergeben werden. Der aktuelle Diskurs betont die Risiken, insbesondere im Umgang mit persönlichen Daten und (zu einem geringeren Grad) der Kommerzialisierung öffentlicher Räume. Ohne diese Themen abwerten zu wollen (denn es sind ganz fundamentale Fragen): Aus meiner Sicht wäre es ebenso spannend, die Potenziale zu diskutieren, die Netzwerkplattformen bieten. Ein Argument wäre beispielsweise, dass Jugendliche durch schülerVZ o.ä. das “Networking” lernen, eine gesellschaftlich hochrelevante Qualifikation in Zeiten flexibilisierter und mobiler (Arbeits-)Biographien. Und damit zusammenhängend, dass Netzwerkplattformen die Möglichkeit zur Selbstthematisierung und zur sozialen Validierung der eigenen Identität bieten, also eine zentrale Entwicklungsaufgabe der Jugendzeit unterstützen.
Auch wenn wir beim Vortrag in diese soziologischen Tiefen nicht eingestiegen sind: Es war eine tolle Diskussion, ganz herzlichen Dank von meiner Seite an die Organisatoren und die Schüler/innen, die das möglich gemacht haben!
1 Nutzer kommentierte(n) " Vortrag bei Schülerakademie in Lingen "
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