Das Medienkonvergenz Monitoring Projekt analysiert die Mediennutzung von Jugendlichen anhand der Analysekriterien der Rezeption und Produktion von Medieninhalten, sowie der Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung von Konvergenzeffekten.

Besonders interessant für unser Projekt sind die im Report 2008 enthaltenen Ergebnisse zur Computer- und Internetnutzung von Jugendlichen. Diese zeigen deutlich, wie sehr Jugendliche die integrierende Funktion des Computers schätzen. Sowohl offline als auch online nutzen sie ihren Computer gerne zur auditiven und audio-visuellen Unterhaltung. Er ist für sie Stereo-Anlage, DVD-Player und Spielekonsole in einem Gerät. So schauen 92% der Jugendlichen am PC Videos online und 90% offline, 74% spielen mit dem Computer DVDs ab. Ebenfalls hoch ist die Nutzung von Audiofiles. Laut dem Medienkonvergenz Monitoring Report hören fast alle Jugendlichen (97%) MP3s am Computer, 80% CDs und 54% hören Internetradio. Zu der Nutzung von Youtube als auditives Begeleitmedium, also das (besonders Musik-) Videos abgespielt werden um die darin enthaltenen Musik zu hören, während in einem anderen Fenster oder Tab eine andere Tätigkeit ausgeführt wird, finden sich leider (noch) keine Daten. Ein Grund hierfür könnte sein, dass diese Verwendungsweise, die eigentlich als vordergründig erachtete visuelle Komponente zu vernachlässigen, während des Erhebungszeitruames im Mai bis Juni 2007 noch keine so große Bedeutung zukam.

Fernsehprogramme werden jedoch auch weiterhin lieber über den Fernseher geschaut. Nur 19% der Jugendlichen gaben an Internetfernsehen zu nutzen. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass Internetfernsehen genau nicht bieten kann, was Heranwachsende dem Medienkonvergenz Monitoring Report 2008 nach an Online-Videos schätzen: “Die Rezeption internetspezifischer Inhalte, individualisierter Zugriffsformen und kommunikativer Elemente sozialer Netzwerke [...]. Vor allem diese im Vergleich zu ‘klassischen’ ausiovisuellen Angeboten neuartige, internetspezifische Nutzungsqualität, erklärt den großen Erfolg der Videoplattformen bei Jugendlichen.” Im Vergleich zu diesen Plattformen sind Angebote zum Internetfernsehen bei Jugendlichen jedoch nur wenig bekannt und liefern gegenüber dem Fernsehen keine relevanten Mehrwert in den Nutzungsmöglichkeiten.

Zuden bereits genannten Online-Angeboten bietet der Computer “auch offline die Möglichkeit, die Rezeption audiovisueller Inhalte nach individuellen Wünschen zu gestalten und Mediennutzung auf ein Gerät zu konzentrieren”. Der Computer ist häufig das ‘Alles-in-einem-Medium’, da trotz der weit verbreiteten Handynutzung von 98% unter den Jugendlichen, die Internetnutzung größtenteils über den PC erfolgt. Nur 10% der Teenager geht mit dem Handy online.

Doch nicht nur rezeptiv, auch unter kommunikativen Gesichtspunkten hat der Computer eine große Bedeutung für die Jugendlichen. 94% von ihnen nutzen Instant Messenger. Diese private Form der Kommunikation grenzen die Autoren ab von “anderen[n], eher öffentlichen Formen der Internetkommunikation wie das Schreiben in Weblogs oder Foren [die] von den Jugendlichen deutlich seltener genutzt [werden]“. Zu bemerken bleibt dennoch, dass auch andere private Kommunikationsformen in ihrer Nutzungshäufigkeit weit hinter Instant Messengern zurückbleiben. Nur 32% der Jugendlichen geben an oft per E-Mail zu kommunizieren und nur 13% telefonieren oft über das Internet. Das starke Interesse an Instant Messengern wird im Report damit erklärt, dass diese Form der Echtzeitkommunikation das Bedürfniss permanent mit Freunden in Verbindung zu stehen, befriedigen könne. Dies könnte auch eine mögliche eine Erklärung für die große Faszinationskraft von Social Networking Sites sein, welche, wie der Abschnitt des Reports zu den Sozailen Netzwerken zeigt, von Jugendlichen als konzeptionell und funktionell ähnlich wahrgenommen werden.

Die Nutzung sozialer Netzwerke wie SchülerVZ, MySpace oder Knuddels verdeutlicht die Wichtigkeit der Kommunikation mit Freunden. Die Plattform SchülerVZ bspw. liegt nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) bezüglich der Reichweite von Internetseiten auf dem zweiten Platz. 98 Millionen Besucher im Dezember 2007 verdeutlichen die Wichtigkeit des Netzwerks (vgl. IVW 2008). Damit kann man davon ausgehen, dass der Großteil der Jugendlichen in Netzwerken angemeldet ist. Auch bei den befragten Jugendlichen ist SchülerVZ sehr beliebt. Sabrina (16 Jahre) schätzt, dass aus ihrer Klasse „80 bis 90 Prozent” der SchülerInnen die Internetseite nutzen: „Nur die Jüngeren sind noch nicht drin und ein paar, die noch kein Internet haben.” SchülerVZ bietet den NutzerInnen die Möglichkeit, eigene Profile zu erstellen und sich selbst zu präsentieren. Daran anschließend können die Jugendlichen auf verschiedene Weise tätig werden. Antje (16 Jahre) beschreibt dies so: „Dann kannst du Gruppen erstellen, Bilder reinstellen, Fotoalben. Kannst über dich ganz viel schreiben, kannst gucken wer aus deiner Schule dort ist, kannst alte Freunde wieder finden.” Am wichtigsten sind den Jugendlichen die kommunikativen Elemente der sozialen Netzwerke. Neben der Möglichkeit, in den Profilen öffentlich Kurznachrichten ode Grüße zu hinterlassen, können die NutzerInnen einander persönlich Nachrichten senden. Ferdinand (12 Jahre) bezeichnet SchülerVZ dementsprechend auch gleich als „Chat”, der „nur für Schüler” ist und Andreas (18 Jahre) nimmt soziale Netzwerke gar als „erweiterte Version von ICQ” wahr. Jugendliche nutzen soziale Netzwerke wie SchülerVZ und Instant Messenger wie ICQ vor allem zur Individualkommunikation mit Freunden und direkten sozialen Bezugsgruppen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie ausschließlich im Internet kommunizieren, vielmehr nehmen Jugendliche den internetfähigen Computer als interessante Erweiterung ihrer face-to-face-Kommunikation wahr.

Doch im Gegensatz zu der starken rezeptiven Nutzung des Internets, laden nur 39% Bilder hoch und 32% bearbeiten Bilder. Von den Befragten gaben 8% an, Musik zu bearbeiten oder diese hochzuladen, 10% laden Videos hoch und nur 8% der Jugendlichen geben an Videos zu bearbeiten. Dabei fand das Medienkonvergenz Monitoring Projektteam deutlich Geschlechts- und Bildungs-Unterschiede bei der Content-Produktion. 43% der Mädchen, aber nur 32% der Jungen laden oft Bilder hoch, dagegen gaben Jungen mit 13% fast doppelt so oft wie Mädchen (7%) an, Videos hochzuladen. Videos/Musik werden zweimal so häufig von Jugendlichen mit formal niedrigerem Bildungshintergrund (19%/14%) hochgeladen, als von Teenagern mit formal höherem Bildungshintergrund (9%/7%). Bei der Interpretation dieser interessanten Tendenzen, ist es wichtig zu bedenken, dass 64% der Befragungsteilnehmer weiblich sind und 90,9% das Abitur anstreben. Das Interesse von Mädchen, Bilder zu bearbeiten und hochzuladen gründet, laut die Autoren, auf der Bedeutung insbesondere von (Profil-) Fotos für die Pflege sozialer Kontakte auf Netzwerkplattformen und in Instant Messengern.