Die aktuelle Ausgabe der “Merz”, der Zeitschrift für Medienpädagogik, widmet sich in einer Reihe von Texten dem Schwerpunktthema “Medienpädagogik 2.0?!”. Besonders interessant finde ich die Befunde zu Bildungsunterschieden in der Nutzung von Web 2.0-Anwendungen, die in verschiedenen Beiträgen angesprochen werden:
Das Leipziger Medienkonvergenz-Monitoring hat mehr als 5.000 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren befragt, die das Internet nutzen; etwa ein Zehntel davon besaß einen niedrigen Bildungshuntergrund, was im Kontext dieser Studie hieß: strebt kein Abitur an. Dadurch ist die Stichprobe gegenüber den Verteilungen von Bildungsabschlüssen in der Gesamtbevölkerung zwar deutlich verzerrt, dennoch ist es ganz interessant, die Nutzungsgewohnheiten dieser Gruppe mit denen der Nutzer mit hohem Bildungshintergrund zu vergleichen. In Bezug auf die Nutzung des Web 2.0 für Kommunikation, insbesondere in privat-persönlichen Netzwerken, gab es ebensowenig signifikante Unterschiede wie bei der rezeptiv-abrufenden Nutzung (bspw. von Videos auf einschlägigen Plattformen). Die beiden Gruppen weichen allerdings in Bezug auf die Produktion und das Teilen eigener Inhalte voneinander ab: Jugendliche mit niedrigem Bildungshintergrund tun dies signifikant öfter; insbesondere das Hochladen von Fotos, aber (auf insgesamt niedrigerem Niveau) auch von Videos und Musik. Horst Niesyto und Verena Ketter verweisen in ihrem Beitrag auf weitere Studien, in denen Unterschiede zwischen Bildungsgruppen identifziert wurden: In Bezug auf die Nutzung von wissens- vs. unterhaltungsorientierten Angeboten, in Bezug auf Lese- und Schreibkompetenzen, sowie in Bezug auf Nutzungspräferenzen und Navigationspraktiken.
Diese Erkenntnisse belegen nicht nur, dass der Bildungsgrad ein wichtiger Faktor für die Aneignung und den Gebrauch von Web 2.0-Anwendungen ist, sondern auch dass bei entsprechenden Gruppenvergleichen sehr genau unterschieden werden muss, welche Aspekte der Nutzungsweisen man in den Blick nimmt: Die Reichweite spezifischer Angebote (bspw. einer Kontakt- oder Videoplattform) unter verschiedenen Gruppen kann einen ersten Anhaltspunkt geben, doch viel entscheidender sind die Verwendungsweisen, die sich innerhalb eines Angebots herauskristallisieren: Die Unterscheidung zwischen kommunikativ, rezeptiv und produktiv ist hierbei ein guter Ansatz; wir unterscheiden in unserem Projekt v.a. auch die Handlungskomponenten Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement.
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