Auf Kontaktplattformen wie studiVZ geben Nutzer über viele persönliche Dinge Auskunft: Musik- und Filmvorlieben, Hobbies, Lebensmotti u.ä.; zudem verraten die eigenen Freunde oft schon einiges über eine Person, wie amerikanische Forscher jüngst am Beispiel von Facebook herausgefunden haben.

Solche Informationen können unter bestimmten Umständen auch für Journalisten eine interessante und aufschlussreiche Quelle sein. Die taz beleuchtete vor einigen Tagen die Recherchemethoden der Bild-Zeitung auf studiVZ und zitiert darin BILDblog-Chef Christoph Schultheiß:

“Das Stöbern nach Privatdaten im StudiVZ gehört mittlerweile offenbar zum Handwerkszeug jedes Bild-Redakteurs”, meint Schultheis. Er beobachtet derzeit “eine Zunahme des Datenklaus aus dem StudiVZ.”

Das erste Mal bin ich auf diese journalistische Praktiken (na, man sollte besser Unsitte sagen…) im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Virginia letztes Jahr aufmerksam geworden, als Journalisten stark auf Netzwerk- und Blogplattformen wie Facebook und LiveJournal zugriffen, um zusätzliche Informationen zu erhalten. Damals veröffentlichte der BBC-Journalist Robin Hamman einen langen Eintrag, in dem er über seine eigene Rolle und Verantwortung nachdachte; weitere Texte zu dieser ethischen Debatte finden sich z.B. auch hier und hier. Darin finde ich folgende Einsicht sehr bemerkenswert:

Next time something horrific like this happens, I hope more of us take the time to carefully consider whether the content we’ve found online was ever intended to be seen by a wider audience and if any harm could be done by exposing it to that audience – and then, rather than seeking access, we link, quote and clearly disclaim. (Hervorhebung J.S.)

Im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Forschungsethik für das Web 2.0 hat Tobias Eberwein diesen Punkt aufgegriffen und auch nochmal angemahnt, dass sich die Journalistenausbildung damit beschäftigen müsse. Ich hoffe, dass unser Projekt Hinweise geben kann, welchen Stellenwert die entstehenden persönlichen Öffentlichkeiten für die jugendlichen Nutzer haben, und wie sie auf ein Eindringen von Fremden reagieren (würden).